Das AgilHybrid Kompetenzmodell definiert 20 Schlüsselkompetenzen für agile Entwicklungsteams

Für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sind andere und vielfältigere Kompetenzen als für die klassische Produktentwicklung gefragt. Teams, die erfolgreich digitale Geschäftsmodelle entwickeln und in den Markt bringen sollen, brauchen ein breites Set verschiedener Kompetenzen.

Für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sind digitale Fähigkeiten hinsichtlich digitalen Denkens und Datenverständnis gefragt, aber diese sind nicht unbedingt die wichtigsten. Die Verfügbarkeit von Informationen ist heute sehr hoch und schnell, sodass zunehmend Fähigkeiten zur Beschaffung und ertragsorientierten Nutzung gefragt sind.

Besonders wichtige Kompetenzen sind:

→ Wandlungsfähigkeit

Dies beinhaltet eine ausgeprägte Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden gepaart mit der Fähigkeit, neue Anforderungen selbstständig zu erkennen und sich selbstorganisiert neues Wissen anzueignen. Dazu wird auch ein umfassender Überblick benötigt, welche konkreten Kenntnisse aus möglicherweise unterschiedlichen Domänen für die innovative Lösungsentwicklung wichtig sind.

 

→ Fähigkeit zur agilen Entwicklung

Diese Fähigkeit wird zunehmend wichtig, um die Ideen für neue Geschäftsmodelle schnell und effizient in geeignete Prototypen zu überführen, den konkreten Mehrwert für die Kunden zu überprüfen und das Geschäftskonzept iterativ zu testen und zu validieren. Mit solchen agilen Fähigkeiten kann es gelingen, die Komplexität der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle kontrollierbar oder zumindest überschaubar zu halten.

→ Fähigkeit zur selbstorganisierten und transparenten Zusammenarbeit

Essenziell ist auch die Fähigkeit zur selbstorganisierten und transparenten Zusammenarbeit in eigenständigen, oftmals interdisziplinären Teams. Solche Entwicklung-Teams benötigen Mitarbeitende, die den Wissensaustausch pflegen und über ausgeprägte Teamfähigkeit, Bereitschaft zur offenen Kommunikation und Kooperation sowie konstruktive Konfliktfähigkeit verfügen.

→ Unternehmerische Fähigkeiten, ausgeprägtes Denken in Geschäftsmodellen und vernetzten Ökosystemen

Diese Fähigkeiten sind notwendig, um die unterschiedlichen Ideen auf deren Markttauglichkeit und Ertragsfähigkeit hin abzuprüfen und konsequent in Richtung Realisierung in Zusammenarbeit mit den benötigten Partner:innen und Wandel des Ertragsmodells hin voranzutreiben. Zudem ist in agilen Entwicklungsteams ein hohes Maß an Eigeninitiative, Risikobereitschaft, Offenheit für Zufälle und Verantwortungsübernahme seitens der Mitarbeitenden notwendig.

CATI-Umfrage des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN)

Die Einschätzung der Wichtigkeit der Kompetenzen erfolgte in einer Telefonumfrage bei 200 Industrieunternehmen vom Institut für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN) mit einer fünfstufigen Likert-Skala (1-nicht wichtig, 2-wenig wichtig, 3-mittelmäßig wichtig, 4-ziemlich wichtig, 5-sehr wichtig).

Die Ergebnisse bestätigen, dass die identifizierten Schlüsselkompetenzen überwiegend als wichtig bis sehr wichtig (73 % bis 87 % Zustimmung) für die Fähigkeit zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle eingeschätzt werden. Damit kann das entwickelte Kompetenzmodell für die Fähigkeit zur Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle als valide eingeschätzt werden.

Projektbeteiligte

Prof. Dr. Steffen Kinkel ist Professor für Innovationsmanagement, International Management und International Business Networks im Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Hochschule Karlsruhe. Er ist Gründer und Leiter des Instituts für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Industrie 4.0, digitale Geschäftsmodelle, agile Arbeitsweisen, digital unterstützte Kompetenzentwicklung, KI-unterstützte Arbeits- und Lernsysteme, Produktions- und Innovationsnetzwerke, globale und lokale Wertschöpfungsketten, Offshoring und Re-/Backshoring, Standortbewertung sowie Technologieplanung und -vorausschau.

Im Projekt AgilHybrid erforscht Steffen Kinkel die notwendigen Kompetenzen, Strukturen und agilen Arbeitsweisen für die erfolgreiche Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sowie Methoden für das arbeitsintegrierte und projektbasierte Lernen.

Sebastian Beiner hat einen Master of Science in Technologiemanagement und einen Bachelor of Engineering in Wirtschaftsingenieurwesen. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Karlsruhe und forscht am Institut für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN). Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Industrie 4.0, digitale Geschäftsmodelle, agile Arbeitsweisen, Lean Production, Business Model Innovation und Digitalisierung von Prozessen.

Im Projekt AgilHybrid erforscht Sebastian Beiner die Prozesse und Strukturen sowie die Anwendung geeigneter Methoden für die erfolgreiche Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Darüber hinaus identifiziert er Merkmale und Kriterien, die ein erfolgreiches Geschäftsmodell charakterisieren.

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