Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle scheitert, weil innerbetriebliche Widerstände Innovation behindern

Digitale Innovation wird von Menschen gestaltet und im Zweifelsfall auch verhindert, nicht von Maschinen. Viele gute Ideen haben keine Chance darauf, weiter entwickelt zu werden, weil es an Unterstützung fehlt. Welche Rollen beeinflussen und behindern Neuerungen?

Menschen, die Innovation vorantreiben, neue digitale Dienste entwickeln und die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen wissen, scheitern an innerbetrieblichen Widerständen.

Drei zentrale Rollen beeinflussen digitale Innovationsprozesse:

Supporter:innen unterstützen sich gegenseitig

Promoter:innen treiben an

Opponent:innen verhindern, verändern oder verzögern

Das Quadrathlon-Modell, Abkürzung DVGM = Digital vernetzte Geschäftsmodelle

Das Quadrathlon-Modell – Fokus Mensch

Dr. Barbara Castrellon Gutierrez vom Wissenschaftsteam der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit Juliane Müller, Miriam Bachmann, Anne Kurzmann und Anne-Katrin Neyer beschreibt das Zusammenspiel von Menschen und ihren Rollen im Unternehmen anhand des Quadrathlon-Modells.

Die vier Phasen des Entwicklungsprozesses benötigen viel Ausdauer, Training und Kraft. Sie sind wie ein sportlicher Vierkampf, wie ein Quadrathlon,“ erläutert Castrellon Gutierrez das Modell der MLU.

Der Erfolg hängt von zwei Faktoren ab:

1. Vier eigenständige Disziplinen ausgeglichen beherrschen und

2. sich während des Wettkampfs für jede neue Phase erneut zu motivieren.

Während Unternehmen darauf angewiesen sind, dass sich Mitarbeitende an der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle beteiligen, verhindert eine bestimmte Rollenbesetzung diesen Prozess. „Es kostet enorm viel Kraft und Ausdauer, digitale Entwicklungsprozesse – insbesondere im bestehenden Unternehmen – voranzubringen. Das Zusammenspiel sich gegenseitig antreibender, behindernder und unterstützender Kräfte ist entscheidend“, erklärt Barbara Castrellon Gutierrez vom Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), am Lehrstuhl für Personalwirtschaft und Business Governance.

Digitale Innovation: Menschen spielen die entscheidende Rolle

Das MLU-Wissenschaftlerinnenteam beschreibt in dem Modell „Quadrathlon“ die Rollen der Menschen im Betrieb. Insbesondere in der Phase der Ideenvalidierung und -Realisierung können Opponent:innen den Verlauf der Geschäftsmodellentwicklung verlangsamen oder sogar verhindern.

Raum für konstruktive Entwicklungsprozesse: Unternehmen befähigen ihre Mitarbeitenden

Unternehmen müssen nach Erkenntnissen der Wissenschaftlerinnen bei der Geschäftsentwicklung die menschliche Dimension als Faktor für den Unternehmenserfolg viel stärker mit einbeziehen. Der Erfolg digitaler Innovationsfähigkeit hängt stark davon ab, ob die Unternehmensleitung den am Innovationsprozess beteiligten Menschen in ihren Rollen ausreichend Beachtung schenken.

Projektbeteiligte des Beitrags

Dr. Barbara Castrellon Gutierrez unterstützt seit Oktober 2018 das Team des Lehrstuhls für Personalwirtschaft und Business Governance an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg MLU. Zuvor war sie an der MLU in Forschung & Lehre an den Lehrstühlen Marketing und Handel sowie Betriebliches Umweltmanagement aktiv. Zu ihren Schwerpunkten zählen Nachhaltigkeit, KMU, Innovationen & Change sowie Guter Arbeit.

Im Projekt AgilHybrid ist ihr Ziel, wissenschaftliche Inhalte praxisnah zu vermitteln. Sie ist Expertin für die Themen „rund um den Menschen“, ohne die Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren.

Juliane Müller (M.Sc.) ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Lehrstuhl für Personalwirtschaft & Business Governance an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie freiberufliche Gender & Change Consultant. Für die Wirtschaftspsychologin ist individuelles Arbeitsglück und Unternehmenserfolg kein Gegensatz. Veränderungen und deren Management sind ihr Lebenselixier. Daher zeigt sie (Non) Profit Organisationen, u. a. Hochschulen, wie Wellbeing – und Diversity Management zu ihrer Exzellenz beitragen. Ihr Handeln ist geprägt von der Vision einer positiven, sensiblen Arbeitskultur in der Unternehmens- und Wissenschaftslandschaft.

Im Projekt AgilHybrid erforscht die Doktorandin Gute Arbeit 4.0 als Stellschraube für einen erfolgreichen, innovativen Mittelstand. Ihr Learning: „Innovationsstärke erntet, wer in persönliche Stärke investiert – also in psychologisches und soziales Kapital“.

Prof. Dr. Anne-Katrin Neyer ist Inhaberin des Lehrstuhls für Personalwirtschaft und Business Governance an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg. Sie leitet dort den Master-Studiengang Human Resources Management und ist seit 2018 Mitglied des Akademischen Direktoriums am Center for Leading Innovation and Cooperation (CLIC) an der HHL-Leipzig Graduate School of Management. Anne-Katrin Neyer forscht an der Schnittstelle zwischen IT und Organisationsgestaltung zu Themen der innovativen HR Arbeit und der organisationalen Transformation. Als Mitgründerin des KI-HR Labs ist es ihr Ziel, das Thema KI und HR gemeinsam zu denken und gleichzeitig aus einer HR-Perspektive Ideen zu entwickeln, wie mehr Frauen für KI begeistert werden können.

Im Projekt AgilHybrid freut sie sich über die großen und kleinen „Wow“-Momente im Austausch an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis, die neue Impulse geben für das gemeinsame Weiterdenken unserer Arbeitswelt.

Anne Kurzmann (M.Sc.) ist seit ihrem Masterabschluss im Juni 2021 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und seit Oktober 2021 auch als Doktorandin am Lehrstuhl für Personalwirtschaft und Business Governance tätig. Sowohl ihr Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften und Psychologie als auch ihren Master in Human Resources Management absolvierte sie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und arbeitete seit 2019 parallel als wissenschaftliche Hilfskraft.

Im Projekt AgilHybrid begeistert sie es sehr, die wissenschaftlichen Inhalte des Studiums mit spannenden Fragen der Praxis zu verbinden und so neue Perspektiven zu entdecken.

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